FAQs

Warum fotografierst du?

Ich finde es faszinierend, mithilfe der Fotografie eine mediale Realität zu erschaffen, die der Welt die Möglichkeit bietet, sich selbst zu beobachten und die Welt in der Welt erscheinen zu lassen.

Das Medium Fotografie stellt für mich eine Möglichkeit zur freien schöpferischen Gestaltung dar, in der ich meine Persönlichkeit sowie Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse zur Anschauung bringen kann.

Das Medium Fotografie hat damit für mich das Potenzial, den Bereich gesellschaftlicher Kommunikation über das sprachlich Sagbare hinaus zu erweitern und Kommunikation unter Vermeidung von Sprache durchzuführen.

Warum widmest du dich dem Genre der Straßenfotografie?

Der von Menschen belebte öffentliche Raum bietet nach meinem Dafürhalten einen unerschöpflichen Reichtum an interessanter menschlicher Lebenswirklichkeit, die sich existenziell nie in gleicher Weise wiederholt.

Die Funktion gelungener Straßenfotografie besteht meiner Ansicht nach darin, dem Bereich realer Realität eine mediale Realität gegenüberzustzellen, die auf andere Weise als im alltäglichen Kontext beobachtet werden kann.

Ein gelungenes Œuvre an Straßenfotografien bietet retrospektiv schließlich auch das Potential, zum Gegenstand der selbstreferentiellen Beschreibung der Gesellschaft und damit zum Teil des kollektiven Gedächtnisses zu werden.

Was ist Straßenfotografie?

Die Straßenfotografie (engl. Street Photography) ist ein Genre der Fotografie, deren zentrales Thema das Anfertigen von ungestellten Fotografien ist, die Momente im öffentlichen Raum (=jeder allgemein zugängliche Ort) abbilden.

Publikationen wie Henri Cartier-Bressons (1908-2004) ›The Decisive Moment‹ (1952), William Kleins (1926-2022) ›New York‹ (1956) und Robert Franks (1924-2019) ›The Americans‹ (1958) waren für das Genre wegweisend und stilbildend.

Wann ist eine Fotografie ungestellt?

Eine Fotografie ist ungestellt (engl. candid), wenn die fotografierende Person den Bildinhalt nicht für die Gestaltung der Aufnahme positioniert, ausgerichtet und/oder hergerichtet und/oder entsprechende Anweisungen erteilt hat.

Warum fotografierst du ausschließlich in Schwarzweiß?

Ich kann mich nie des Eindrucks erwehren, dass beim Betrachten einer Farbfotografie das dominante, alles andere Dargestellte überlagernde Motiv die Farbe selbst ist.

Ich vermute, dass diese Rezeptionsautomatik beim Betrachten von Farbfotografien mit der Funktionsweise der menschlichen Wahrnehmung und dem Wirklichkeitsbezug von Fotografie zu tun hat und sich nicht vermeiden lässt.

Im Bereich der Fotografie wirkt Farbe auf mich deshalb wie eine Tünche, die zwar einerseits dem Motiv schmeichelt und/oder Aufmerksamkeit erregt, aber andererseits den Blick auf den eigentlichen, nicht farbigen Bildinhalt verhüllt.

Eine Schwarzweißfotografie ist aus meiner Sicht eine Abstraktion, die die Automatismen visueller Wahrnehmung verzögert und so erst eine eingehende Auseinandersetzung mit der fotografierten Thematik ermöglicht.

Was zeichnet eine gelungene Fotografie aus?

Eine Fotografie ist nach meinem Dafürhalten gelungen, wenn die Einheit aus Inhalt und Form der Darstellung beim Betrachten als passend empfunden wird und das wahrnehmende Bewusstsein bindet und fasziniert.

Mit Inhalt meine ich das fotografierte Bezugsobjekt (= den Referenten, d.h. das, was die Fotografie darstellt); mit Form die Komposition, d.h. die Auswahl und Anordnung visueller Elemente nach gestalterischen Ordnungsprinzipien.

Die Einheit aus Inhalt und Form kann nicht nur einen denotativen Charakter aufweisen, d.h. sich in der reinen Abbildung des Dargestellten erschöpfen, sondern darüber hinaus einen konnotativen Charakter annehmen.

Eine Fotografie hat einen konnotativen Charakter, wenn ihm das wahrnehmende Bewusstsein eine assoziative, emotionale, stilistische, ikonografische und/oder wertende Nebenbedeutung als zusätzlichen Sinngehalt zuschreibt.

Der stärkste Indikator für die Qualität einer Fotografie ist nach meinem Dafürhalten, wenn sich Personen nicht auf eine einhellige Interpretation verständigen können, weil die Fotografie inhärent vieldeutig (polysem) angelegt ist.

Nicht zuletzt gibt es in der Fotografie eine Prämie auf die Komplexität des Arrangements der Einheit von Inhalt und Form, weil Komplexität die Chance bietet, auch bei wiederholter Rezeption etwas Neues zu entdecken.

Ist Straßenfotografie in Deutschland legal?

Die zentralen Normen, nach denen sich die Rechtmäßigkeit von Straßenfotografie-Fällen in Deutschland richten, sind Art. 6 DSGVO, § 23 KUG und § 823 BGB. Alle drei Normen sehen eine Abwägungsprüfung vor. Ausgangspunkt der Abwägung ist das Benennen der Interessen der fotografierten Person auf der einen und der fotografierenden Person auf der anderen Seite, wobei aber auch die Interessen der Allgemeinheit berücksichtigt werden müssen.

Für die konkurrierenden Positionen sind in der Folge die für oder gegen sie sprechenden Gesichtspunkte und Argumente zu sammeln, die sich naturgemäß von Fall zu Fall unterscheiden. Eine abschließende rechtliche Bewertung von Straßenfotografie-Fällen ist nach gegenwärtiger Rechtslage nicht möglich; die Abwägung von Interessen, wie sie die hier relevanten Normen vorsehen, bleibt stets bis zu einem gewissen Grad der zur Entscheidung berufenen Person überlassen.

Gleichwohl hat das Bundesverfassungsgericht 2018 festgestellt, dass „die ungestellte Abbildung von Personen ohne vorherige Einwilligung, welche strukturtypisch für die Straßenfotografie ist” (BVerfG, Beschluss v. 8.2.2018 – 1 BvR 2112/15, Rn. 24) in Deutschland solange von der Kunstfreiheit nach Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG geschützt ist, bis „eine schwerwiegende Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts zweifelsfrei” (BVerfG, a.a.O., Rn. 21) verwirklicht ist.